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Newsartikel

26.01.2011 14:51

Interview mit unserer Patin Janine Pietsch

Die ehemalige Schwimm-Weltmeisterin und Patin Janine Pietsch im Gespräch in der Klinik


2008 an Brustkrebs erkrankt, heute Botschafterin der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und Patin der Luise von Marillac Klinik in Bad Überkingen.
Stuttgart, 25. Januar 2011


Frau Pietsch, wie geht es Ihnen heute zweieinhalb Jahre nach Ihrer Brustkrebserkrankung?



Janine Pietsch: „Mir geht es sehr gut – um ehrlich zu sein, besser den je. Die schwere Zeit meiner Krebserkrankung hat mir auch sehr viel Gutes gebracht. Ich weiß nun, auf was es wirklich im Leben ankommt und ich bin viel ausgeglichener und ruhiger geworden.“



Welche Rolle spielt der Sport heute in Ihrem Leben?



Janine Pietsch: „Sport spielt nach wie vor eine wichtige Rolle in meinem Leben, allerdings nur noch, um mich fit zu halten. Ich versuche 3-4 mal in der Woche Sport zu machen, zum Beispiel mit Fitnesstraining oder auf dem Rennrad.“

Sie haben im Frühjahr 2010 die Patenschaft für die Luise von Marillac Klinik übernommen. Was waren Ihre Beweggründe dafür und in welcher Form unterstützen Sie die Klinik?


Janine Pietsch: „Mein Hauptbeweggrund war das einzigartige Konzept. In der Luise von Marillac Klinik ist alles auf die Wünsche jüngerer Patienten ausgerichtet. Angefangen von den Therapieangeboten bis hin zum Farbkonzept des Hauses.
Ich habe in der ersten Phase die Klinik selbst als Patientin getestet und Anregungen für Verbesserungen gegeben. Außerdem bin ich als Patin jederzeit für die Patientinnen als Ansprechpartnerin für Fragen erreichbar und bin selbst auch mehrmals pro Jahr persönlich zu Besuch vor Ort in der Klinik.“

Wie geht es Ihnen, wenn Sie heute Patientinnen in der Klinik treffen?




Janine Pietsch: „Wenn ich die Patientinnen sehe, dann denke ich mir, dass auch Sie durch die schwere Phase gehen müssen, so wie ich es auch musste. Mit meinem persönlichen Schicksal kann ich die jungen Frauen jedoch stark ermutigen und motivieren, den Kampf gegen die Krebserkrankung aufzunehmen.“


Was raten Sie anderen jungen Frauen im Hinblick auf den Umgang mit der Krankheit im Berufsumfeld und Freundeskreis?



Janine Pietsch: „Ich finde es sehr wichtig, immer offen und ehrlich mit der Krankheitsgeschichte umzugehen. Es ist auch wichtig, nicht sofort wieder alles zu wollen, wie zum Beispiel  ganztags zu arbeiten. Der Körper muss sich nach einer solch harten Therapie zuerst wieder an den Alltag gewöhnen. Eine Krebserkrankung ist auch immer ein Zeichen des Körpers, auf das man hören sollte. Was Freunde angeht, kann ich sagen, dass sich während einer solchen Erkrankung erst zeigt, wer seine wirklichen Freunde sind. Mein Freundeskreis hat sich durch die Krankheit ziemlich verkleinert, aber auch qualitativ verbessert, worüber ich sehr glücklich bin.“



In wieweit kann Sport den Therapieverlauf positiv beeinflussen und welche Erfahrungen haben Sie persönlich beim Thema Sporttherapie gemacht?



Janine Pietsch: „Ich denke Sport ist ein sehr wichtiger Aspekt im Therapieverlauf. Bewegung hilft den Patientinnen, ihren Körper wieder zu spüren und Sport hilft auch, seine Grenzen wieder auszuloten.“



Wie waren Ihre eigenen Reha-Erfahrungen damals und wie unterscheiden sich diese vom Konzept der neuen Luise von Marillac Klinik?



Janine Pietsch: „Meine Erfahrung war eigentlich ganz gut, denn ich kannte bis dahin ja nichts anderes. Die Luise von Marillac Klinik, würde ich heute jedoch allen Kliniken vorziehen. Es ist einfach großartig, zusammen mit gleichaltrigen Frauen diese harte Zeit zu verbringen. Außerdem gibt es einen großen Unterschied bei den Therapie- und Sportangebote, die hier exakt auf die Bedürfnisse der jüngeren Patientinnen zugeschnitten sind.“


Was waren die Schlüsselerlebnisse und -momente in Ihrem eigenen Krankheitsverlauf und in der Therapie?



Janine Pietsch: „Gute Frage. Es gibt natürlich immer positive und negative Erlebnisse. Die negativen Erlebnisse und Schmerzen vergisst man zum Glück sehr schnell. Positiv für mich persönlich war die Veränderung meiner eigenen Person und meines eigenen Lebens. In der Klinik war definitiv die Tanztherapie das Schlüsselerlebnis. Ich dachte immer, tanzen wäre nichts für mich, aber diese Therapie hat in mir sehr viel bewegt.“



Wie sieht Ihr Alltag heute aus und welche Rolle spielt die Erkrankung noch in Ihrem Alltag physisch wie psychisch?



Janine Pietsch: „Ich habe im September 2010 als Schwimmtrainerin in München angefangen und kann den Nachwuchsschwimmern nun meine 20jährige Erfahrung als Profischwimmerin weitergeben. Die Arbeit mit den Kindern macht mir sehr viel Spaß und die Kinder geben mir unendlich viel zurück.
Die Krankheit spielt noch immer eine Rolle und wird wohl auch mein ganzes Leben eine Rolle spielen. Man ist vorsichtiger geworden, sagt auch mal nein und versucht im Alltag nicht mehr ganz so doll an seine Grenzen zu gehen. Natürlich hat man auch Angst – aber ich glaube, dass ich den Krebs besiegt habe.“



Vervollständigen Sie diesen Satz: “Ich wünschte, ich könnte.....”

Janine Pietsch: „...noch viel mehr Frauen erreichen und ihnen helfen, diese Krankheit zu besiegen!“


 

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